Als Noomi sah, dass Rut so fest entschlossen war, gab sie es auf, sie zur Heimkehr zu überreden. So gingen die beiden miteinander bis nach Betlehem. Als sie dort ankamen, sprach es sich sofort in der ganzen Stadt herum, und die Frauen riefen: „Ist das nicht Noomi?“ „Nennt mich nicht mehr Noomi“, sagte sie, „nennt mich Mara; denn Gott, der Allmächtige, hat mir ein sehr bitteres Schicksal bereitet.“ Rut 1, 18-20

Noomi hat ihren Ehemann und ihre zwei Söhne verloren. Sie entscheidet sich, ihren Namen, welcher „die Liebliche“ bedeutet, abzulegen und einen neuen Namen anzunehmen. Sie sagt: „Nennt mich nicht mehr Noomi. Nennt mich Mara.“ „Mara“ ist das hebräische Wort für „bitter“. Sie entscheidet sich für die Bitterkeit. Sie hat die Hoffnung verloren. Sie hat die Lebensfreude aufgegeben.

Auch Hiob, eine andere Person aus der Bibel, hat alles verloren: Kinder, Häuser und seinen ganzen Besitz. Seine Frau sagt zu ihm: „Hiob, warum hältst du an deinem Glauben an Gott fest? Verfluch ihn doch und stirb!“ Ihre Verbitterung frisst sie innerlich auf.

Wir alle erleben Situationen, in denen wir herausgefordert sind, zu entscheiden was für eine Art Mensch wir sein wollen. Wir können uns entscheiden, unsere Tür für die Bitterkeit zu öffnen oder sie nicht hineinzulassen. Wenn wir dies nicht erkennen, dass wir wählen können, lassen wir automatisch ein bisschen Bitterkeit hinein und nach und nach frisst sie sich wie ein Virus in unser Herz hinein. Ich möchte dich heute ermutigen, lass dies nicht zu. Lass die Bitterkeit nicht in dein Herz. Dein Leben ist zu wertvoll, als dass du es damit verbringst dein Leid zu beklagen.

Im Psalm 71 lesen wir, wie der Schreiber zu Gott betet:

„Du hast uns Nöte und bitteres Leid erfahren lassen, du wirst uns auch wieder neues Leben schenken und uns aus den tiefsten Abgründen der Erde emporführen.“ Psalm 71, 20

Gott wird uns wieder neues Leben schenken. Gott will und wird uns aus den tiefsten Abgründen der Erde herausführen und uns jegliches Leid mit seinem Segen zurückerstatten. Doch wir müssen uns entscheiden, der Bitterkeit keinen Raum zu geben. Es ist so wichtig, dass wir dies nie vergessen. Denn so schnell passiert es, dass das, was wir verloren haben, zum Zentrum unseres Lebens wird. Trauer und Schmerz wird zum Lebensinhalt und Bitterkeit bekommt immer mehr Raum in uns. Ich schreibe dies mit tiefem Respekt. Kein Verlust geht spurlos an uns vorbei. Trauer gehört dazu. Doch obwohl das Trauern seinen Platz und seine Bedeutung hat, so sollte es trotzdem nicht zum Inhalt unseres Lebens werden. Der Schmerz, wenn wir geliebte Menschen verlieren, ist unerträglich und die Lücke, die sie hinterlassen, riesengross. Doch unser Herz wird heilen. Klar, es wir nie mehr alles so wie vorher, aber wir werden uns erholen, weil Gott bei uns ist. Weil Gott uns nahe ist. Weil Gott uns weiterführen will.

Ich wünsche dir, dass du erkennst, dass es in Ordnung ist zu weinen, zu trauern, zu klagen und sich leer zu fühlen. Doch ich wünsche dir auch den Mut, dich wieder auf Gott einzulassen. Ich wünsche dir, dass du die Wahl triffst, nicht bitter und verschlossen zu werden, sondern wieder offen für das, was Gott in deiner Zukunft trotzdem noch für dich bereit hat. Offen zu werden für das neue Leben, so dass Gott uns aus den tiefsten Abgründen herausführen kann.

Noomi gab auf und nannte sich „Mara – die Bittere“. Doch Gott gab sie nicht auf. Wir lesen am Ende der Geschichte, wie Noomi ihre Lebensfreude wieder zurückgewann.

So nahm Boas Rut zu Frau. Der Herr liess sie schwanger werden, und sie brachte einen Sohn zur Welt. Da sagten die Frauen zu Noomi: „Der Herr sei gepriesen! Er hat dir einen Beschützer geschenkt. Möge dein Enkel berühmt werden in Israel. Er bringt dir neues Leben und wird dir im Alter eine Stütze sein. Denn er ist ja der Sohn deiner Schwiegertochter, die so treu zu dir hält. Wahrhaftig, du hast an ihm mehr als an sieben Söhnen.“ Rut 4, 13-15

Gott ist dem Leid von Noomi mit seiner Güte und Gnade begegnet. So wird er auch dir begegnen – trotz deinem Leid, deinen Fragen und der Schwere in deinem Leben. Er wird dich neu segnen und dich aus deinem Leid herausführen. Gott will dir statt Bitterkeit neue Freude, neue Lebensenergie und neue Stärke geben. Behalte dein Herz offen, nicht für die Bitterkeit, sondern für Gott.