„Warum weinst du, liebe Frau?“, fragte er sie. „Wen suchst du?“ Maria dachte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: „Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir bitte, wo du ihn hingelegt hast, dann hole ich ihn wieder.“ – „Maria!“ sagte Jesus. Da wandte sie sich um und rief: „Rabbuni!“ Jesus sagte zu ihr: „Halte mich nicht fest!“ Johannes 20,15-17

Jesus begegnet Maria direkt nach seiner Auferstehung und sagt zu ihr: „Halte mich nicht fest!“ Das Erste, was Jesus nach der Auferstehung macht, ist, jemandem zu sagen, sie solle sich nicht an ihm festhalten. Ist das nicht ein bisschen komisch? Um diese Aussage zu verstehen, tauchen wir zusammen in den Hintergrund der Geschichte ein. Wir lesen in der Bibel, dass es um Jesus auch eine Gruppe von Frauen gab, die mit ihm reisten, von ihm lernten und ihn unterstützten. Eine davon war Maria. Maria war vor ihrer Begegnung mit Jesus von sieben Dämonen besessen gewesen. Jesus begegnete Maria, befreite sie von diesen Dämonen und ihr Leben nahm eine dramatische, positive Wendung. Maria hat Jesus alles zu verdanken. Ihr neues Leben, ihre neue Freude, ihre Freiheit. Dann eines Tages wird Jesus ans Kreuz genagelt und Maria bleibt an seiner Seite. Maria erlebt seinen Tod mit. Maria trauert um ihn. Tage später geht sie ans Grab von Jesus und dieses ist leer. Dann verwechselt sie Jesus mit dem Gärtner und als ihr bewusst wird, dass er doch der Auferstandene ist, darf sie ihn nicht einmal umarmen. Jesus, den sie nie verlassen hatte, auch nachdem alle anderen gegangen waren. Und jetzt als sie ihn endlich wieder sieht, verbietet er ihr jegliche Nähe. Jesus, der doch die Verkörperung von Liebe und Barmherzigkeit ist, sagt: „Umarme mich nicht!“ Haben wir da was übersehen? Maria sieht Jesus, der von den Toten zurück ins Leben kommt und denkt: „Jetzt wird wieder alles wie früher. Jesus ist wieder da!“ Doch Jesus sagt durch diese Aussage zu ihr und auch zu uns: „Ich bin zwar wieder da, aber nicht um alte Geschichten und Erlebnisse aufzuwärmen.“ Eigentlich sagt Jesus nichts anderes als: „Alles ist und wird jetzt anders. Maria, nichts wird so sein, wie es früher mal war.“

Kennst du diese Situation? Du triffst dich mit einem Kollegen aus deiner Schulzeit und dann erzählt ihr einander all die alten Geschichten, die ihr zusammen erlebt habt. Ihr wärmt alte Abenteuer auf, träumt von vergangenen Zeiten und staunt zusammen wie schnell doch die Zeit vergeht. In solchen Situationen wird mir immer wieder bewusst wie interessant das Leben doch ist. Das Leben ist nicht etwas Statisches. Es ist in einer dauerhaften Veränderung. Menschen kommen und gehen. Und alles verändert sich immer und immer wieder. Nichts bleibt so wie es ist. Nichts ist so wie es früher mal war. Darum ermutige ich dich, verbrauche nicht zuviel Energie, indem du dich nach vergangenen Zeiten und Erlebnissen sehnst, ihnen nachtrauerst oder sie wieder herbeiwünschst. Jesus sagt zu Maria: „Halte mich nicht fest.“ So halte auch du nicht an vergangenen Erlebnissen, Situationen und Momenten fest. Lass los. Neues wartet auf dich. Jesus will neue Abenteuer mit dir erleben. Neue Geschichten wollen geschrieben und neue Erlebnisse kreiert werden. Wenn wir dies nicht tun, pflanzt sich in uns eine Haltung ein, die das Alte festhalten will. Wenn wir an Vergangenem festhalten, haben wir nicht die Kraft, das Heute zu umarmen und voll zu erleben. Darum lass los.

Jesus sagt zu Maria, sie solle ihn nicht festhalten. Danach fordert er sie auf: „Geh jetzt und lasse alle wissen, was du gesehen hast!“ Sie bekommt eine neue Aufgabe. Ihr Leben bekommt einen neuen Sinn. So will Gott auch uns immer wieder neue Dinge in unsere Hände legen. Uns neuen Segen zeigen. Neue Türen öffnen. Neue Erlebnisse schenken. Ich wünsche dir, dass du die Vergangenheit akzeptieren kannst wie sie ist. Feiere, was zu feiern ist und trauere, wenn du trauern musst. Doch ich wünsche dir auch, dass du immer wieder bereit sein kannst für das, was Gott dir heute zeigen, geben und schenken möchte. Habe den Mut, dich immer wieder von Neuem auf das Heute einzulassen und zu erleben, wie Gott heute seine Geschichte mit dir weiterschreiben will.

„Geh zu deinen Brüdern und sag ihnen, dass ich zum ihm zurückkehre – zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“ Da ging Maria aus Magdala zu den Jüngern zurück. „Ich habe den Herrn gesehen!“ verkündete sie und erzählte ihnen, was er zu ihr gesagt hatte. Johannes 20,17&18