Da sprach der Herr zu ihm: „Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn, denn der Herr wird vorübergehen.“ Zuerst kam ein heftiger Sturm, der die Berge teilte und die Felsen zerschlug, vor dem Herrn her. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm bebte die Erde, doch der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, doch der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer ertönte ein leises Säuseln. Als Elia es hörte, zog er seinen Mantel vors Gesicht, ging nach draussen und stellte sich in den Eingang der Höhle. 1. Könige 19, 11-13

Elia, ein Mann Gottes, ist unterwegs. Er ist am Wandern und auf der Suche nach Antworten, auf der Suche nach Gott. Plötzlich ruft Gott nach ihm und will ihm begegnen. Doch Gott ist nicht im Sturm, nicht im Erdbeben und auch nicht im Feuer. Gott begegnet Elia im Säuseln, in der Ruhe. So ist es auch bei uns. Wenn wir es schaffen, uns zurückzuziehen, Ruhe zuzulassen, Gott in der Ruhe zu suchen, dann werden auch wir Gott hören. Wir werden das Säuseln der Stimme Gottes wahrnehmen. Doch das mit der Ruhe ist gar nicht so einfach. Bernie Krause, ein bekannter Mann, der Töne der Natur für Film und Fernsehen aufnimmt, sagte einmal, dass er 1968 für eine Stunde ungestörte natürliche Töne – also ohne Flugzeuge, Autolärm usw. – ungefähr 15 Stunden Aufnahmezeit benötigte. Heute benötigt er, um dieselbe Stunde von ungestörten Tönen zu kriegen, 2000 Stunden Aufnahmezeit! Ruhe, ein Gut, das nach und nach verlorengegangen ist. Und dabei wären Ruhe, Einsamkeit, Stille, Orte, wo wir nicht abgelenkt werden, so wichtig. Wichtig für unsere Seele, wichtig für unseren Glauben, wichtig für unser Leben. Klar, wir können und hören Gott jeden Tag. Gottes Reden ist kreativ, ihm sind keine Grenzen gesetzt. Gott braucht Menschen, Predigten, Situationen, unseren Alltag, Gedanken, Ideen, die Bibel, andere Bücher, Träume, lustige Begebenheiten usw. um zu uns zu reden. Aber Gott will und möchte uns hie und da auch in der Ruhe, der Stille und der Einsamkeit begegnen.

Ein guter Freund hat mir mal erzählt, dass er sich zwei Wochen in der Wüste zurückgezogen hat. Er hatte nur ein Auto, ganz viel Wasser und die Bibel. Dort in der Wüste, in der Einsamkeit, fastete, betete und suchte er Gott. Er erzählte, dass die ersten paar Tage der Ruhe, in der Einsamkeit, die schlimmsten waren. Seine Seele war es nicht gewohnt, mit dieser Stille umzugehen. Doch dann, nach dieser „Angewöhnungszeit“, kam seine Seele zur Ruhe. Er entdeckte Neues in der Bibel, er nahm die Stimme Gottes auf eine neue Art wahr und sein Herz konnte die Liebe Gottes in einer neuen Dimension empfangen und aufnehmen. Ruhe zuzulassen ist schwierig. Klar, nicht jeder braucht dieses zweiwöchige Wüstenerlebnis. Doch wir alle brauchen hie und da Orte der Ruhe. Orte, wo wir mit Gott alleine sind. Orte, wo unsere Seele zur Ruhe kommen kann. Orte, wo wir alleine sind. Orte, wo Gott uns in seinem Säuseln begegnen kann.

Warum ist es so schwierig, Ruhe zuzulassen? Ich denke, wir kennen die Ruhe nicht mehr. Ruhe gehört nicht mehr zu unserem Alltag. Überall sind wir von Geräuschen, Eindrücken, Lärm, Fragen und Problemen umgeben. Hast du ein Smartphone? Einen Fernseher? Einen E-Mail-Account? Spielt der Radio Musik im Hintergrund? Den ganzen Tag? Während der Arbeit, im Auto, zuhause? Ich denke, wir alle sind ständig ganz viel Lärm und auch unbewussten Geräuschen und Eindrücken ausgesetzt. Und je mehr sie selbstverständlicher werden, umso schwieriger wird es, Gott zu hören. Wünschst du dir, die Stimme Gottes wäre lauter in deinem Leben? Ich ermutige dich, versuch es mal wieder und lass Ruhe zu. Setz dich auf einen Sessel und atme langsam, keine Musik, keine Nebengeräusche, zum Beispiel am Morgen früh. Lies in der Bibel, bete ein paar Sätze, schreibe deine Gedanken auf, lass Ruhe zu! Oder gehe spazieren, joggen, wandern, alleine in der Natur. Ohne Gesprächspartner, ohne Kopfhörer in den Ohren, in der Ruhe und entdecke, was Gott dir sagen möchte.

Stille und Einsamkeit. Wann warst du das letzte Mal an einem einsamen Ort in der Stille? War es schwierig für dich, die Ruhe zuzulassen? Warum ist es einfacher, sich mit Geräuschen zu umgeben, statt leise dem Säuseln Gottes zu lauschen? Wie sieht dein Zeitplan, dein Leben aus? Gibt es Orte der Ruhe? Ich ermutige dich, lass Ruhe wieder zu, suche Gott und erlebe immer wieder, wie Gott dir in der Einsamkeit, in der Ruhe begegnet und wie er heilt, verändert, weiterträgt, Ideen schenkt und dir seine Liebe zeigt.

Hört, jemand ruft: „Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste, baut eine Strasse für unseren Gott! Füllt die Täler auf, ebnet Berge und Hügel ein, räumt alle Hindernisse aus dem Weg! Der Her wird kommen in seiner ganzen Herrlichkeit und alle Menschen werden es sehen. Der Herr selbst hat das gesagt.“ Jesaja 40, 3-5