Als Jesus ein anderes Mal in die Synagoge ging, war dort ein Mann mit einer verkrüppelten Hand. Die, die einen Vorwand suchten, um Jesus anklagen zu können, beobachteten aufmerksam, ob er ihn am Sabbat heilen würde. „Steh auf und komm nach vorn!“ sagte Jesus zu dem Mann mit der verkrüppelten Hand. Und den anderen stellte er die Frage: „Was ist richtig – am Sabbat Gutes zu tun oder Böses? Einem Menschen das Leben zu retten oder ihn zu töten?“ Sie schwiegen. Er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und zugleich tief betrübt über ihr verstocktes Herz. Markus 3, 1-5

Jesus will einen Mann am Sabbat, an einem für die Juden heiligen Tag, heilen. Eigentlich ist dies verboten. Ein sogenanntes No-Go. Die religiösen Führer, die ihn beobachten, sind empört. Doch Jesus tut es. Vorher fragt er sie noch: „Was ist besser? Gutes oder Böses zu tun?“ Doch die religiösen Führer haben darauf keine Antwort. Sie schweigen einfach. Dann lesen wir, dass Jesus wütend wurde. Zorn überkam sein Herz. Ja, du hast richtig gelesen, Jesus wurde zornig. Doch schauen wir Wut tiefer an, sehen wir, dass Wut im ersten Moment ein Gefühl ist. Ein Gefühl, das kommt und wieder geht. Durch Wut und Zorn sagt einem der Körper, dass uns etwas, das und zusteht, das wir uns wünschen oder nach dem wir uns sehnen, vereitelt wurde. Das Problem ist eigentlich nie die Wut, sondern was wir aus ihr machen. Wohin wir sie bringen. Wohin wir mit ihr gehen. Denn unsere Wut führt uns irgendwohin. Meistens kommt durch die Wut unser Innerstes zum Vorschein. Viele reagieren dann aus Egoismus und Engstirnigkeit heraus. Wir verteidigen unsere kleinen Königreiche und holen uns wieder, was uns unserer Ansicht nach zusteht. Doch so war es bei Jesus nicht. Die Wut von Jesus hatte sogar etwas Göttliches. Er regte sich über die harten Herzen der religiösen Führer auf. Er hat sich einer ungerechten Situation angenommen und einem armen, kranken Mann geholfen. Seine Wut führte zur Heilung, zur Wiederherstellung, zur Rettung eines Menschen. Wohin führt deine Wut? Führt sie zur Heilung und Veränderung oder zur Zerstörung und einem egoistischen Kampf? Wut ist nur ein Gefühl. Die Frage ist: „Wo führt sie uns hin?“

Ich behaupte sogar, ein bisschen Wut ist gut. Gesund und nötig. Wut, Zorn und eine heilige Unruhe kann uns in die richtige Richtung führen. Darum, machen wir es doch wie Jesus. Brauchen wir die Unruhe in uns, um Ungerechtigkeit zu bekämpfen, um Frieden zu bringen, um Menschen Gottes Liebe näher zu bringen, um Missstände zu bekämpfen, religiöse Mauern zu brechen, Lügen zu bekämpfen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wut, Zorn kann ein unglaublicher Turbo sein, wenn wir lernen, die richtigen Fragen zu stellen und unsere Gefühle in die richtige Richtung zu lenken. Viele Menschen fragen sich: „Was ist der Sinn und Zweck meines Lebens? Was ist meine Berufung?“ Man könnte diese Frage auch anders stellen: „Was macht dich wütend?“ Bei was denkst du, wenn du es sieht: „Da ist was falsch. Das ist nicht fair. Das sollte man reparieren. Da sollte man helfen. Da sollte man wieder die Wahrheit Gottes hineinbringen.“ Dann reagiere und bringe den Frieden, die Versöhnung und Liebe Gottes in deine Welt hinein. Gott kann Wut gebrauchen, um dir deinen Platz und deine Bestimmung zu zeigen. Klar, wir sollten nicht aus Wut heraus reagieren, das kommt nie gut und führt nur zu einem Kampf, den wir nicht gewinnen können. Doch manchmal braucht Gott unsere Gefühle, um uns wieder aufzuzeigen, welchen Kampf wir in der Liebe kämpfen und gewinnen sollten. Wo neue Leidenschaft freigesetzt und Menschenleben verändert werden können. Lerne für das Gute aufzustehen, gehe für die, die keine Stimme haben, bringe Gottes Liebe und seine Gnade in diese Welt hinein. Werde dir deinen Gefühlen bewusst. Lerne sie zu kanalisieren wie Jesus und verwandle sie mit der Gnade und Liebe Gottes in etwas Wunderbares, Heilendes und Veränderndes.

Dann befahl er dem Mann: „Streck die Hand aus!“ Der Mann streckte die Hand aus, und sie war geheilt. Markus 3, 5